Über ein kleines Wunderwerk...
Die Löwenzahnwurzel wird seit Jahrhunderten in der Volksmedizin verwendet, sie ist eine wunderbare Quelle für Bitterstoffe, die wir in der heutigen Zeit, in der die Ernährungsindustrie buchstäblich die Bitterstoffe aus unserer Nahrung gebannt hat, mehr denn je brauchen. Wir werden auf "süß" und "salzig" getrimmt, "bitter" schmeckt schon lange nicht mehr.
Schon im Mutterleib verzieht der Fötus das Gesicht, wenn die Mutter Kohl isst, und lächelt bei Karotten. Doch die Entfernung der Bitterstoffe hat ihren Preis - für die Pflanze und für den Menschen. So ist der Abwehrmechanismus bei vielen Pflanzensorten verloren gegangen, das Gemüse wurde wehrloser und schmeckt jetzt auch eigentlichen Fraßfeinden wie Nacktschnecken oder Pilzen. Gärtner hätten wahrscheinlich weniger Sorgen mit alten Sorten, denen die Bitterstoffe nicht abhanden gekommen sind. Und da man die Pflanzen schützen muss, setzt man Pestizide ein - was wiederum der Pflanze, dem Menschen und der Umwelt schadet.
Dabei werden die Bitterstoffe von unserem Körper dringend zur Verdauung benötigt. Im Magen- und Darmtrakt sind sie an Prozessen wie der Magensäure-Produktion und der Freisetzung von Hormonen, im Dickdarm an der Entstehung von Durchfall als Abwehrmechanismus beteiligt. Im Atem sorgen Bitterstoffe für die Aktivierung von gegen Bakterien wirkende Substanzen. Sie beschleunigen die Bewegung der Flimmerhärchen in der Lunge und begünstigen somit den schnelleren Abtransport von Partikeln wie Bakterienzellen.
Bitterstoffe sind für unseren Organismus wichtig, überlebenswichtig. Und hier kommen wir wieder zum Löwenzahn:
Der Löwenzahn enthält zudem viele Vitamine und Mineralstoffe und hat einen hohen Kaliumgehalt. In der Wurzel sind zudem Schleimstoffe und eine hohe Konzentration von Inulin, ein Mehrfachzucker, der der Wurzel einen bitter-süßen Geschmack verleiht und eine wichtige Nahrungsquelle für die guten Darmbakterien ist.
Im Herbst zieht sich die Pflanze zurück und all die Kraft wandert in die Wurzel, bis März erhält sie sich diese ausgeprägte Nährstoffdichte, damit sie nach dem Winter wieder erneut wachsen kann.
Jetzt ist die Zeit, ein Messer oder einen Spaten unter den Arm zu packen und auf "Jagd" zu gehen. Bitte bedenkt jedoch bei eurer Ernte, dass ihr immer ein Stückchen Wurzel in der Erde lasst, damit sich daraus eine neue Pflanze bilden kann. Ja, so toll ist der Löwenzahn, der kann aus einem Stück Wurzel wieder neues Leben erschaffen - ein echtes, "bitteres" Naturwunder.
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